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Wasserwacht

Sonthofen

Eisrettung

Gefahren an  winterlichen Gewässern

wavewave

Jeden Winter kommt es zu Eiseinbrüchen an unseren heimischen Gewässern. Ein solcher Unfall endet nicht selten mit dem Tod der eingebrochenen Person. Die größte Gefahr ist eine starke Unterkühlung und die damit verbundene Abnahme der Kräfte und des Reaktionsvermögens. Zusammen mit dem Abwärtstrieb schwerer Winterkleidung führt dies schon in wenigen Minuten zum Ertrinken. Die Wasserwacht im Allgäu übt jeden Winter ins Eis eingebrochene Personen zu retten. Die Fotos stammen von einer Übung der Wasserwacht Sonthofen am Ortwanger Baggersee. Schwan-51


Zunächst ist es wichtig, dass die Rettungskräfte möglichst schnell vor Ort sind, deshalb rufen Sie Hilfe, wenn Sie einen Eisunfall beobachten. Die Wasserwacht ist rund um die Uhr über die Integrierte Leitstelle Allgäu unter der Telefonnummer112 erreichbar. Beachten Sie wie bei jedem Notruf die "fünf Ws":

  • Was ist passiert
  • Wo ist es passiert
  • Wie viele Personen sind betroffen
  • Welche Verletzungen/Erkrankungen sind vorhanden
  • Warten Sie auf Rückfragen

Selbstrettung aus winterlichen Gewässern

Eine Selbstrettung aus dem eisigen Nass der winterlichen Gewässer muss innerhalb kürzester Zeit durchgeführt werden. Bereits wenige Minuten, nachdem der Verunglückte ins
Wasser geraten ist, werden seine Glieder durch die Kälte so steif, dass alle Versuche einer Selbstrettung scheitern werden. Da die unmittelbare Berührung mit dem eiskalten Wasser starke Schmerzen verursacht, müssen alle geistigen und körperlichen Kräfte mobilisiert werden, um eine Panik zu vermeiden und möglichst schnell das eiskalte Wasser verlassen zu können. Je nach Beschaffenheit des Eises bieten sich zwei Möglichkeiten an: Ist das Eis halbwegs tragfähig, versuchen Sie sich flach auf das Eis zu schieben und kriechen Sie dann über das Eis zum Ufer, reicht die Stabilität des Eises dazu nicht aus, versuchen Sie das Eis mit den Fäusten oder den Ellbogen stückweise zu zerbrechen und bahnen Sie sich so einen Weg zum Ufer oder zu tragfähigerem Eis. 

Rettung durch einen oder mehrere Helfer - der Verunglückte schwimmt an der Einbruchstelle im Wasser

Bei der Rettung eines im Eis eingebrochenen Menschen muss der Retter bedenken, dass das offensichtlich nicht mehr genügend tragfähige Eis für den Helfer eine erhebliche Gefahr darstellt. Er muss sich aber auch bewusst sein, dass sich der Eingebrochene wegen der raschen Erstarrung seiner Glieder nur kurze Zeit an der Oberfläche halten kann und daher höchste Eile geboten ist. Sofern es möglich ist, wird die Rettung von Land aus durchgeführt. Der Retter reicht, schiebt oder wirft dem Verunglückten Hilfsmittel wie Bretter, Stangen, Leitern, Gartentische und -bänke aus Holz, Türen, Leinen, Teile von Holzzäunen, Äste oder auch Strauchwerk zu. Besser wären ein Rettungsball oder Rettungsring mit Leine. Gelingt es dem Verunglückten nicht, selbst freizukommen, so muss der Retter ihm auf dem Eis zu Hilfe kommen. Hierbei darf sich der Helfer der Einbruchstelle nie stehend nähern. Er schiebt sich vielmehr liegend, möglichst mit ausgebreiteten Armen, zum Eisloch vor. Von großem Vorteil ist es, wenn er sich auf einer großflächi

Eisrettung

gen Unterlage (Türe, breites Brett) liegend an den Eingebrochenen heranschiebt. Sind mehrere Retter an der Unfallstelle, so sollte der erste Retter möglichst mit einer Leine gesichert werden. Hat sich der Retter der Einbruchstelle genügend genähert, schiebt er vorhandene Hilfsmittel wie Bretter, Leitern oder ähnliches über die Einbruchstelle, um die Tragfähigkeit des Eises zu erhöhen und um dem Eingebrochenen die Möglichkeit zu geben, sich selbst daran herauszuziehen. 

Rettung von unter das Eis Geratenen in stehenden Gewässern

Ist der eingebrochene unter dem Rand des Eisloches verschwunden, so ist eine Rettung wesentlich schwieriger und der Erfolg unsicherer. Die Rettung kann durch Tauchen nach dem Untergegangenen versucht werden. 

1. Grundsatz
Der Retter taucht in voller Kleidung (ohne Schuhe), um einer Unterkühlung zu begegnen. 

2. Grundsatz
Der Retter muss durch eine kräftige Leine, die von einem zweiten Helfer gehalten wird, gesichert sein. Der zweite Retter hat darauf zu achten, dass sich die Leine nicht am scharfen Eisrand durchscheuert.

3. Grundsatz
Wenn der Taucher nicht mit Tauchgerät und Tauchanzug ausgerüstet ist, darf nicht länger als 20 Sekunden getaucht werden. Nach Ablauf dieser Zeit muss der Taucher (auch gegen seinen Willen) herausgezogen werden. Weitere Tauchversuche dürfen von demselben Taucher nur durchgeführt werden, wenn er einen Tauchanzug trägt. Ansonsten muss ein anderer Retter tauchen. Ist der Verunglückte unter eine dünne Eisdecke geraten (2-3 cm), z.B. durch einen Sturz von einer Brücke oder einem Steg, so kann der Retter auch versuchen, die Eisdecke auf einer möglichst großen Fläche zu zertrümmern, um dem Untergegangenen die Möglichkeit zum Auftauchen zu verschaffen. 

Rettung von Verunglückten, die in fließenden Gewässern unter das Eis geraten sind

Das Tauchen unter das Eis bei fließenden Gewässern ist äußerst lebensgefährlich und zudem ohne Erfolgsaussichten, da der Untergegangene abtreibt. Unter Berücksichtigung der Eigengefährdung gibt es keine Möglichkeit ohne Ausrüstung Rettungsmaßnahmen zu ergreifen - daher ist hier die einzige Hilfe ein schneller Notruf.

Rettung von einer treibenden Eisscholle

Die sicherste Rettung von treibenden Eisschollen ermöglicht ein stabiles Boot (kein Schlauchboot), wenn zwischen den Eisschollen genügend Fahrwasserbreite vorhanden ist. Ein Anstoßen mit dem Boot an die Scholle, auf der sich der Verunglückte befindet, ist zu vermeiden, um ein Abgleiten der zu rettenden Person zu verhindern. Der Verunglückte wird über das Heck in das Boot gebracht.

Wie dick muss das Eis sein?

  • Einzelpersonen: mindestens 5 cm
  • Personengruppe: mindestens 8 cm
  • Schlittenfahrzeuge: mindestens 12 cm
  • PKW, sonst. Fahrzeuge: mindestens 18 cm

Aber Achtung: Eis kann unterschiedlich dick sein, darum sollte man es nicht leichtfertig betreten, auch wenn es an einer beliebigen Stelle z.B. 5cm dick ist. Aufgrund verschiedener Einflüsse kann das Eis an verschiedenen Stellen eines Gewässers recht unterschiedliche Dicken aufweisen. Bodenwärme, Strömungen, Zuflüsse warmer Industriegewässer, Gasbläschen aus schlammigem Grund, dünn überfrorene Fischereilöcher und Einbruchstellen sowie Eisrisse sind mögliche Ursachen dafür. Bereits bei geringer Belastung können solche Eisflächen bersten. Dabei ist auch zu beachten, dass Schnee ein sehr schlechter Wärmeleiter ist und, dass aus diesem Grund schneebedeckte Eisflächen meist dünner sind als schneefreie.

 

Betreten Sie eine Eisfläche nur, wenn Sie sich absolut sicher sind, dass diese tragfähig genug ist!